Du weißt, warum Du so reagierst. Warum ändert sich trotzdem nichts?
Viele Menschen, die zu mir in die Praxis kommen, haben bereits jahrelange Therapieerfahrung hinter sich. Sie kennen mehrere Therapieformen, haben viel über sich gelernt und können ihre eigenen Muster gut reflektieren und analysieren. Und trotzdem sagen sie mir: Im Kern hat sich nichts wirklich verändert.
Genau darüber möchte ich in diesem Artikel erzählen.
Ich bin Axel Pagel, Heilpraktiker für Psychotherapie mit eigener Praxis in Köln.
Seit über zehn Jahren begleite ich Menschen in anspruchsvollen Lebens- und Arbeitssituationen – dort, wo Verantwortung getragen wird, aber innerlich etwas feststeckt. Genau dieses Feststecken nenne ich die innere Bremse.
Verstehen ist nicht dasselbe wie Verändern
Eine neue Erkenntnis fühlt sich oft gut an. Für einen Moment ist da Klarheit, vielleicht sogar so etwas wie Erleichterung – "Ah, das habe ich ja noch gar nicht erkannt." Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber oft: Es ist etwas, das man im Grunde schon kannte. Die Erkenntnis allein bewirkt noch keine Veränderung.
Der Grund dafür liegt selten darin, dass zu wenig verstanden wurde. Er liegt darin, dass selten genau hingeschaut wird, was in diesem Moment innerlich tatsächlich erlebt wird – während die Erkenntnis auftaucht. Genau an diesem Punkt beginnt aus meiner Erfahrung die eigentliche Veränderung.
Der Unterschied zwischen Reden über Gefühle und Fühlen
Ein Beispiel, das mir in der Praxis immer wieder begegnet: Jemand sagt, er oder sie möchte "endlich mehr fühlen". Der erste Schritt ist dann nicht, sofort nach dem Gefühl zu suchen, sondern erst einmal zu klären: Was bedeutet das ganz persönlich? Was steckt hinter diesem Wunsch?
Dabei zeigen sich oft schnell alte Glaubenssätze:
Darf ich das überhaupt?
Bin ich dann zu viel?
Bin ich zu weich, wenn ich das zulasse?
Diese Sätze sorgen dafür, dass ein Gefühl gar nicht erst zugelassen wird. Und auch hier gilt: Es hilft wenig, immer weiter zu erklären, warum das so ist. Entscheidend ist, in dem Moment zu bleiben, in dem der Wunsch selbst spürbar wird – nicht in der Geschichte darüber.
Warum wir uns überhaupt anpassen
Niemand kommt als "nicht fühlendes Wesen" auf die Welt. Im Gegenteil: Kinder nehmen sehr viel wahr, sind sensibel und offen. Im Laufe des Lebens wird genau das Stück für Stück zurückgenommen – und es entstehen Anpassungsstrategien, die irgendwann automatisch ablaufen, ganz ähnlich wie beim Autofahren: Am Anfang ist jeder Handgriff bewusst, irgendwann läuft er von selbst.
Unser Gehirn mag Automatismen, weil sie Energie sparen. Genau das macht es aber auch schwerer, diese Muster wieder bewusst wahrzunehmen. Und genau hier setzt therapeutische Arbeit an: dabei zu helfen, diese Automatismen wieder ins Bewusstsein zu holen und in Kontakt mit ihnen zu kommen.
Veränderung braucht auch Mut – nicht nur Erkenntnis
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird: Wir wünschen uns alle Veränderung – und gleichzeitig ist oft eine große Angst davor da. Was, wenn ich plötzlich sichtbarer werde? Was, wenn ich Gefühle zeige, die ich bisher nicht kannte, und gar nicht weiß, wohin damit?
Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, für solche Gefühle erst einen sicheren Rahmen zu finden, statt sie sofort regulieren zu wollen. Wenn ein Gefühl gesehen werden darf und Raum bekommt, reguliert sich das Nervensystem in aller Regel von selbst.
Warum "das Nervensystem" allein keine Antwort ist
Aktuell wird viel über das Nervensystem gesprochen – zu Recht, denn die Erkenntnisse aus der Traumaforschung haben die Psychotherapie grundlegend verändert. Trotzdem darf das nicht bei der Theorie stehen bleiben. Der Satz "das ist mein Nervensystem" erklärt noch nichts, solange kein persönlicher Bezug dazu entsteht: Was mache ich eigentlich, dass mein Nervensystem so reagiert? Auch hier führt der Weg wieder zurück zu den eigenen Automatismen – und zu der Bereitschaft, sie wahrzunehmen, statt sie nur zu benennen.
Was das für Dich bedeuten kann
Wenn Du das Gefühl hast, Deine eigene Geschichte und Deine Muster längst zu kennen – und trotzdich merkst, dass sich im Alltag wenig verändert, bist Du damit nicht allein. Verstehen ist ein wichtiger erster Schritt. Der zweite, oft entscheidendere Schritt ist, wieder in Kontakt mit dem zu kommen, was gerade tatsächlich in Dir passiert – jenseits der Erklärung.
Wiederkehrende Muster, innere Belastungen oder tiefere Themen bremsen Dich immer wieder aus?
So kann ich Dich unterstützen
Hast Du ein klar umrissenes Thema, für das Du gezielte Unterstützung suchst? Dann schau Dir gerne mein Coaching an.
Willst Du wissen, wie ich arbeite und wie ich zu diesem Ansatz gekommen bin? Mehr dazu auf der Seite Über mich.