Entgegen vieler Meinungen ist hier nicht das richtige Mittel, seine Erlebnisse immer und immer wieder zu wiederholen. Denn wenn wir unsere traumatischen Erlebnisse erzählen, passiert Folgendes:
Beim Erzählen entstehen Bilder und genau auf diese Bilder reagiert unser Reptiliengehirn. Du erinnerst dich, das ist der Teil, der für Kampf, Flucht oder Erstarrung zuständig ist. Das bedeutet, dass die Bilder im Gehirn jetzt eine reale Bedrohung auslösen und das Nervensystem in Aktion geht. Du erlebst deine Traumatisierung also bei jedem Mal, wo du es neu erzählst, wieder und wieder. So graben sich die Spuren immer weiter und tiefer in das Gehirn hinein.
Bei der Aufarbeitung liegt der Fokus auf dem Jetzt. Was kannst du jetzt tun, also aus deiner heutigen Position als Erwachsener. Diese Position ist deshalb so wichtig, weil man im Trauma häufig zwischen dem verletzten Kind und dem Erwachsenen hin und her springt.
Wir wollen aber dich, den heutigen Erwachsenen, stärken, erstens, weil du heute ganz andere Möglichkeiten hast als das Kind sie früher hatte, und zweitens, damit du zu unterscheiden lernst, wann das Trauma aktiv ist und wann nicht.

Therapeutische Herangehensweise bei Entwicklungstraumata

In der Praxis sieht das dann so aus, dass wir erst einmal nach Ressourcen schauen. Ressourcen können Bilder, Menschen, Tiere oder Vorstellungen usw. sein, die eine positive Wirkung auf dich haben, wo du das Gefühl hast, eine gute Unterstützung zu bekommen. Mit dieser Ressource arbeiten wir. Hier zwei Beispiele. Handelt es sich um eine erlebte Situation, kann diese durch die Vorstellung des Einsatzes der Ressource leichter von uns angenommen werden. Anders ist der Ansatz bei emotionaler Kälte, die man in seiner Kindheit erfahren hat. Da das Trauma auch in unserem Körper als kaltes Gefühl gespeichert wird, gilt es jetzt, dieses Gefühl zu lokalisieren und allmählich durch die im Körper auch vorhandenen warmen Gefühle (schöne Erlebnisse) aufzuarbeiten.
Kurz gesagt:

  • Was erlebst du jetzt, wenn dir diese Ressource zur Verfügung steht?
  • Was verändert sich jetzt in deinem Körper?
  • Welche Bilder kommen dir jetzt?
  • Was fühlst du jetzt?

Damit wird die Körperwahrnehmung geschult.

 
Ich erlebe es häufig in der Praxis, dass Klienten ihre eigenen Ressourcen oft unterschätzen. Wenn sie dann mit ihnen in Kontakt kommen, sind sie erst einmal verwundert, was da alles so ist. Die oben genannten Fragen haben den Zweck, die Ressourcen auf allen Ebenen zu erleben und mehr zu verkörpern, damit du heute mehr Handlungsspielräume bekommst und damit du dich mehr mit deiner Kraft verbinden kannst.

Aus dieser neuen Position gehen wir dann einen Schritt weiter und beginnen mit dem traumatischen Ereignis, was am wenigsten bedrohlich erscheint. Das ist wichtig, weil wir das Gehirn, das Nervensystem und den Körper langsam aus der Erstarrung holen, damit du nicht überwältigt wirst und langsam Kapazität aufbauen kannst für das, was dann später im Laufe der Therapie auftauchen sollte. Die langsame Vorgehensweise hat den Vorteil, dass du das früher Erlebte verarbeiten und in dein Leben integrieren kannst und der Körper positiv darauf reagiert.