Entwicklungstraumata und ihre Auswirkungen auf das Gehirn, das Nervensystem und den Körper

Im 2. Teil möchte ich näher auf Gehirn, Nervensystem und Körper eingehen. Heute wird vom 3-teiligen Gehirn gesprochen, Reptiliengehirn (auch als Hirnstamm bekannt), Limbisches Gehirn und die Frontallappen. Ich werde noch auf die einzelnen Regionen zu sprechen kommen.

Das Reptiliengehirn ist der älteste Teil des Gehirns und, wie der Name schon sagt, teilen wir es uns mit den Reptilien. Das Limbische Gehirn ist für Emotionen verantwortlich und die Frontalllappen für das soziale Miteinander, wie die Möglichkeit zur Empathie.

Instinktiv reagiert das Reptiliengehirn auf Gefahr. Stell Dir vor: Du gehst im Wald spazieren und siehst einen großen Löwen! Binnen Millisekunden wägt das Gehirn ab, ob es kämpfen, fliehen oder in die Erstarrung gehen muss. Kämpfen und Fliehen ist in dem Fall kaum empfehlenswert, da der Löwe zu stark und zu schnell ist, also bleibt nur die Erstarrung. Genauso verhält es sich bei anderen Gefahren, die nicht durch Tiere veranlasst werden, sondern durch Menschen.

Entstehung von Entwicklungstraumata durch die erste Bezugsperson

Entwicklungstraumata entstehen häufig durch die ersten Bezugspersonen, also aus dem eigenen engen sozialen Umfeld. Das ist besonders prägend, weil wir als soziale Wesen geboren werden und auf die Hilfe und Unterstützung der Erwachsenen angewiesen sind. Dadurch wird das Urvertrauen in die Welt und zu sich selbst schwer erschüttert und hat weitreichende Folgen bis in das Erwachsenenalter hinein.  Außerdem ist unser Reptiliengehirn schon von Geburt an funktionsbereit, das heißt, dass es bei Gefahr in die Erstarrung geht, weil das Kind ja noch nicht flüchten kann. Wenn es regelmäßig von außen bedrohlich ist und niemand da ist, der das Kind zu beruhigen in der Lage ist, wird ein Teil der Erstarrung in Körper und Gehirn zurück -bleiben. Das Nervensystem des Heranwachsenden wird beeinflusst von dem der Bezugsperson. Es ist nicht immer Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung, die das Gehirn in Alarmbereitschaft versetzen. Auch emotionale Kälte, wie Gefühlsarmut und mangelnde körperliche Nähe, versetzen das Gehirn in Alarmbereitschaft.

Und wenn du dich nun daran erinnerst, was ich weiter oben beschrieben habe, dass Menschen von Geburt an soziale Wesen sind, dann kann man eine Vorstellung davon bekommen, mit welchen Herausforderungen das junge Leben zu kämpfen hat.

Nun einige Symptome, die auftreten können. Dazu gehören körperliche Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten, Grübelzwang, Schwierigkeiten, eigene Ziele zu erreichen, Ängste, Panikattacken, Gedanken und Gefühle, wie die eigene Wertlosigkeit. Der gesamte Organismus ist im Stress, mit weitreichenden Folgen für das Gehirn.

Der gesamte Organismus (Körper, Gehirn und das Nervensystem)  ist in ständiger Alarmbereitschaft und es scheint einfach kein Ende zu geben. Man erlebt sich wie in einem Hamsterrad in ständiger Anstrengung und Wiederholung. Es besteht eine große Sehnsucht nach Entspannung und Ruhe. Gleichzeitig besteht eine Ahnung von unterdrückten Gefühlen, die große Angst macht.